Dr. Hana Gründler

Vita
Hana Gründler ist seit 2017 Permanent and Independent W2-Research Group Leader am Kunsthistorischen Institut in Florenz – Max-Planck-Institut, wo sie die Forschungsgruppe „Etho-Ästhetiken des Visuellen“ leitet. Als Kunstwissenschaftlerin und Philosophin arbeitet sie an den Schnittstellen zwischen Philosophie und Kunst(-geschichte) von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart, mit einem Fokus auf der Beziehung zwischen Visualität, Ethik und Politik. Hana Gründler war u.a. Gastprofessorin für „Philosophie des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit“ am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin (WS 2018–2019), für „Kunstgeschichte der Moderne“ an der Universität Wien (FS 2022) und für Renaissancephilosophie am Dipartimento di Studi Umanistici der Universität Urbino (April 2025). Sie ist im Redaktionsteam der „Zeitschrift für Ideengeschichte” (seit 2020) und Mitglied des Fachbeirats der „Zeitschrift für Kulturphilosophie” (seit September 2024). Gemeinsam mit dem Stuttgart Research Center for Text Studies gibt ihre Forschungsgruppe seit Januar 2025 die „Zeitsprünge. Forschungen zur Frühen Neuzeit“ heraus.
Publikationen (Auswahl)
- Ästhetiken der Freiheit. Inoffizielle Kunst und Philosophie in Prag 1948–1989 (erscheint September 2026).
- Eastern Underground, Zeitschrift für Ideengeschichte, 21/2 (2024) (mit Jörg Völlnagel).
- „(In-)Visible Actions – Disruptive Practices. Art and Philosophy in the ČSSR,“ in: Journal for Social and Political Philosophy, 1 (2024), S. 67–84.
- Leon Battista Alberti: Über die Seelenruhe oder Vom Vermeiden des Leidens in Drei Büchern, hrsg. eingeleitet und kommentiert von Hana Gründler, Berlin 2022 (mit Katharine Stahlbuhk und Giulia Baldelli).
- „Moral des Blicks oder Ethiken des Sehens?“, in: 21: Inquiries into Art, History, and the Visual. Beiträge zur Kunstgeschichte und visuellen Kultur, 3/2 (2022), S. 311–341.
- Die Dunkelheit der Episteme. Zur Kunst des aufmerksamen Sehens, Berlin 2019.
Forschungsvorhaben: Kleine Gesten, schwache Kräfte. Ästhetiken des Underground in der ČSSR, 1969–1989
Welche Formen können Protest und Widerstand in totalitären Regimen annehmen? Und was für eine Rolle spielen dabei kleine Gesten, die in den Grenzbereichen der Sichtbarkeit stattfinden? Ausgehend von künstlerischen Praktiken und philosophischen Positionen der sogenannten Parallelkultur der ČSSR zeichnet das Projekt die vielfältigen ‚Ästhetiken des Underground‘ nach und untersucht die Wirkmacht mikroethischer und mikropolitischer Interventionen. Gerade die häufig durch subtile Interventionen und Abweichungen charakterisierten Performances im streng überwachten öffentlichen Raum – man denke etwa an die künstlerische Inszenierung der Inaktivität – verkomplizieren die Frage danach, wann Kunst ‚politisch‘ ist. Zugleich ermöglicht es die (philosophische) Kritik an Utopien und Rhetoriken der Kraft und der Gewalt, die das transformative Potential der „Kleinarbeit“ (T.G. Masaryk) und die Macht der ethischen Haltung Einzelner unterschätzen, heroisierende Narrative des Aktivismus zu hinterfragen. Wie gezeigt werden soll, leistete die tschechoslowakische Gegenkultur wesentliche, jedoch meist nur am Rande wahrgenommene Beiträge zu einer Praxis und Theorie gesellschaftlicher Verantwortung und gewaltloser Widerständigkeit. Nicht zuletzt gilt es mit dem Undergroundphilosophen Petr Rezek auch, die Mystifizierungen der ‚apolitischen Politik‘ und die Inszenierungen der Gewaltlosigkeit kritisch in den Blick zu nehmen und zu fragen, inwiefern diese zu einer Ästhetik und „Politik des Kitsches“ (Rezek 1991) führen können, die weniger auf konkrete Aktionen als auf Emotionalisierung abzielt.