Dr. Sergius Kodera

Vita
Sergius Kodera promovierte 1994. Seitdem lehrt und forscht er zu frühneuzeitlicher und Renaissance-Philosophie am Institut für Philosophie der Universität Wien. Habilitation 2004. Stipendien in London (Warburg Institute), Wien (IFK), New York (Columbia) und Berlin (FU). Kodera hat zu Autoren wie Marsilio Ficino, Machiavelli, Leone Ebreo, Girolamo Cardano, Giovan Battista della Porta, Giordano Bruno, Francis Bacon und Kenelm Digby veröffentlicht und/oder ist deren Übersetzer. Seine Hauptinteressengebiete sind die Geschichte des Körpers und der Sexualität, Magie, Medien, ars memorativa, das frühneuzeitliche Theater und Konzepte des urbanen Raums aus transdisziplinären Perspektiven. Derzeit arbeitet er an einer Buchveröffentlichung über Della Porta in englischer Sprache.
Publikationen (Auswahl)
- Das abjekte Bild. Affektive Bildlichkeit zwischen den Medien in der Frühen Neuzeit, hg. v. Anita Traninger und Sergius Kodera. Brill: Poesis (erscheint Juni 2026).
- „Giovan Battista Della Portas (1535–1615) Taumatologia: Das Testament eines frühneuzeitlichen Ingenieurs, Magiers, Physiognomen.“ Daphnis, 53 (2025), S. 404–429. https://doi.org/10.1163/18796583-05203026.
- Nahkampf und Fernheilung. Sir Kenelm Digbys sympathisches Pulver zwischen Paracelsischer Medizin, adeligem Duell und literarischer Fiktion. Hannover: Wehrhahn, 2021.
- Iconology. Neoplatonism and Art in the Renaissance. Perspectives and Contexts of a Controversial Alliance, hg. v. Berthold Hub und Sergius Kodera. New York und London: Routledge, 2020.
- Disreputable Bodies. Magic, Gender, and Medicine in Renaissance Natural Philosophy. Centre for Reformation and Renaissance Studies. Toronto: University of Toronto CRRS, 2010.
Forschungsvorhaben: Traumbilder: zur Psychologie des schwachen Bildes im 16. Jahrhundert
Ausgehend von der durch Marsilio Ficino (1433–1499) entwickelten Synthese des (Neu-)Platonismus befasst sich das Projekt mit der Ätiologie und den Kräften von Träumen in der frühen Neuzeit: Im Rückgriff auf Plato und Synesius hatte Ficino eine wirkmächtige Theorie formuliert, derzufolge Traumbilder die Wirkungen des Einflusses der Gestirne auf die menschliche Psyche darstellen. Das Projekt untersucht diese Theoriebildung modellhaft an Texten einflussreicher Autoren des 16. Jh. Pietro Pomponazzi (1462–1524), Pietro Andrea Mattioli (1501–1578), Girolamo Cardano (1501–1576), Giordano Bruno (1548–1600) und Giovan Battista della Porta (1535–1615). Das Projekt thematisiert die hier zugrundeliegenden Annahmen im Kontext der Wirkung schwacher Kräfte: erstens im Zusammenhang mit der Kraft von Traumbildern; zweitens im Zusammenhang mit dem Modell der zunächst imperzeptiblen Kräfte organischen Wachstums, drittens im Zusammenhang mit den medizinischen (meist pharmakologischen) Versuchen, diese schwachen Kräfte zu beeinflussen, und will viertens daraus eine These ableiten, wie diese Theoreme als Vorgeschichte der Lehre von den petites perceptions bei G. W. Leibniz zu verstehen sind, und damit auch zu Prolegomena der für das 20. Jh. wegweisenden Theorien von Christian Wolff (1679–1754) und Johann Friedrich Herbart (1776–1841) werden.