Prof. Dr. Ann-Sophie Lehmann

Vita
Ann-Sophie Lehmann ist Professorin für Kunstgeschichte und materielle Kultur an der Universität Groningen (NL), wo ihre Forschung und Lehre material- und praxisorientierte Ansätze entwickelt. Lehmann studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie in Wien und promovierte an der Universität Utrecht. Sie hat zahlreiche Publikationen zur Theorie und Geschichte künstlerischer Materialien und Verfahren, zu Material-Kompetenz, sowie objektbasiertem Lehren/ Lernen veröffentlicht. Lehmann ist Mitglied der Redaktion der „Zeitschrift für Kunstgeschichte“ und des Beirats von „Art History“ und war u.a. Fellow am Getty Research Center (Los Angeles) und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (Berlin). Von 2020 bis 2026 leitete sie die Forschungsgruppe „Curious Hands. Moving Making to the Core of Education“ (www.curioushands.nl) und seit 2026 das nationale Forschungsprojekt „Just Art. Creating Common Ground for Climate Justice Through Artistic Research“ (www.JustArt.info). Gemeinsam mit Imke Volkers kuratierte sie zwei Ausstellungen am Museum der Dinge, Berlin.
Publikationen (Auswahl)
- Ann-Sophie Lehmann, What Are Objects?, New York, Bard Graduate Center/Chicago UP 2026 (im Erscheinen).
- Ann-Sophie Lehmann, Imke Volkers, “Object Lessons und Objektbiographie. Zwei Konzept-Ausstellungen im Museum der Dinge”, in: Werkbund Archiv – Museum der Dinge. Objekte Ausstellungen Räume – eine Museumsgeschichte, Leipzig: Spectorbooks 2026, S. 75–99.
- Vanessa Bakhuizen-van ’t Hoogt, Imka Buurke, Ann-Sophie Lehmann, Catelijne van Middelkoop, “Everyone Can Make. Creative Democracy and the Ideals and Realities of Making Education”, in: J. Kolsteeg et al. Hg., Cultural Democracy. Rethinking Cultural Practice, Policy and Education, Basingstoke: Palgrave McMillan 2025, S. 103–134.
- Ann-Sophie Lehmann, Joost Keizer, Stephanie Porras Hg., Wet Land. Shaping Environments in Netherlandish Art & Architecture, 1400 to 2000 (Netherlands Yearbook for the History of Art 73), Leiden: Brill 2023.
- Ann-Sophie Lehmann, “Gedankendinge. Sema Bekirovic, Hannah Arendt und das nachhaltige Kunstwerk”, Roger Fayet, Regula Krähenbühl Hg., Kunst und Material. Konzepte, Prozesse, Arbeitsteilungen, Zürich: Scheidegger & Spiess, 2022, S. 97–117.
Forschungsvorhaben: Materialität entkräftet. Geschichten eines schwachen Konzepts
Das Konzept „Materialität“ wird in den objektbasierten Geistes- und Sozialwissenschaften vielfältig verwendet. Auch in der Kunstgeschichte wird es regelmäßig herangezogen, um die Bedeutung von künstlerischen Materialien oder Prozessen zu beschreiben. Materialität suggeriert, dass materielle Eigenschaften ontologisch mit einem Oberbegriff abgedeckt werden können. Forscher:innen haben den Begriff jedoch auch kritisiert und abgelehnt, weil er statt einer tatsächlichen materiellen Auseinandersetzung mehr (kritische) Distanz zwischen den zu untersuchenden Dingen und denjenigen, die sie erforschen, schafft und möglicherweise jene dichotomischen Mechanismen, die traditionell der theoretischen Analyse von Kunstobjekten zugrunde lagen, unterstreicht. Mein Forschungsvorhaben hat zwei Ziele: zum einen eine knappe sozio-materielle Begriffsgeschichte (Barad), um die Ambivalenz des Konzeptes zu verstehen, zu situieren und als theoretische Schwäche zu definieren (Saint-Amour), die vom Ursprung des Konzepts in religiösen, rechtlichen und finanziellen Diskursen und den diesen innewohnenden Prinzipien des Glaubens, Verhandelns und Interpretierens herrührt. Zum zweiten, will ich erörtern, ob die Anerkennung dieser Schwäche das Konzept verändert, oder ob es durch differenziertere und tragfähigere Begriffe ersetzt werden sollte, welche die materiellen Konditionen von Kunst besser erfassen können.