Prof. Dr. Maurice Saß

Vita
Maurice Saß ist Professor für Kunstgeschichte an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter. Er studierte Betriebswirtschaftslehre, Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Nürnberg, Würzburg, Caen und München. Nach seiner Promotion an der Ludwig-Maximilians-Universität München war er Wissenschaftlicher Koordinator der von der Alexander von Humboldt-Stiftung geförderten Forschungsstelle „Naturbilder / Images of Nature“ an der Universität Hamburg. Er ist Sprecher des DFG-Netzwerks „Kulturgeschichte der Jagd“ sowie Mitorganisator der Arbeitsgruppe „Ökologien vormoderner Kunst“ im Ulmer Verein. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Gebiet der ökokritischen Kunstgeschichte, visuellen Wissensgeschichte und historischen Geschlechterforschung zwischen Spätmittelalter und Moderne. Er ist Autor der Monographien Physiologien der Bilder. Naturmagische Felder frühneuzeitlichen Verstehens von Kunst (De Gruyter, 2016) und Jagdgründe der Kunst. Eine andere Geschichte der Mimesis (Böhlau, 2024) sowie Herausgeber mehrerer Sammelbände zu Materialitätsdiskursen, Multispezies-Beziehungen, Geschlechterforschung und Fotografiegeschichte. Derzeit arbeitet bereitet er an einem Handbuch zur nachantiken Kulturgeschichte der europäischen Jagd (gemeinsam mit Laura Beck), einem Tagungsband zu außereuropäischen Perspektiven auf die Jagd (gemeinsam mit Thomas Widlock) und einem Themenheft der Regards croisés zu Bildern der Gewalt gegen die Natur (gemeinsam mit Franca Buss und Violaine Gourbet). Für weitere Informationen vgl. www.alanus.edu/menschen/prof-dr-maurice-sass.
Publikationen (Auswahl)
- Hunting Troubles. Gender and its intersections in the cultural history of the hunt. Cham: Palgrave Macmillan 2024 (gemeinsam mit Laura Beck). DOI: 10.1007/978-3-031-70223-5.
- Wild-Tier-Fotografie. Ökologische, postkoloniale und ästhetische Perspektiven. Stuttgart: J.B. Metzler 2024 (gemeinsam mit Martin Bartelmus). DOI: 10.1007/978-3-662-67150-4.
- Toward an ecocritical history of early modern art. Zeitschrift für Kunstgeschichte 88.4, 2025, 457-483 (gemeinsam mit Elizabeth J. Petcu). DOI: 10.1515/zkg-2025-4002 (ausgezeichnet mit dem 2nd RSA Renaissance Studies Article Prize, 2026).
- The predatory core. Peter Paul Rubens and the hunt. The Art Bulletin 106.4, 2024, 6-32. DOI: 10.1080/00043079.2024.2357444.
- Without nature. Rubens‘s watery landscapes. Netherlands Yearbook of Art History 73, 2023, 87-117. DOI: 10.1163/22145966-07301005.
Forschungsvorhaben: Wald, Acker, Moor – Energielandschaften der Frühen Neuzeit
Anliegen des Forschungsvorhabens ist eine ökokritische Neuperspektivierung von Wald, Acker und Moor als Energielandschaften. Entlehnt ist dieser Begriff aktuellen Debatten um die landschaftlichen Konsequenzen der kurrenten energiewirtschaftlichen Transformation. Durch ihn lässt sich – so die zentrale These – verständlich machen, in welcher Weise das frühneuzeitliche Gestalten, Wahrnehmen und Bewerten von Landschaft durch Dimensionen der Arbeit, Kraft und Energie bestimmt waren. Wälder lieferten Brennstoff, Äcker sicherten die Energieversorgung von Mensch und anderen Tieren, Moore wurden durch den Torfabbau zu frühen fossilen Energielandschaften. Anhand dieser drei Kulturräume, die in den gegenwärtigen Diskussionen um Energielandschaften nur eine untergeordnete Rolle spielen, gilt es die Alterität frühneuzeitlicher Sachverhalte produktiv zu machen. Adressiert sind daher nicht nur die Frühformen von ökologisch verheerenden Praktiken und Vorstellungsmustern. Entscheidender ist vielmehr, die Pluralität visueller Strategien herauszustellen, mittels derer Landschaft jenseits prävalenter Dualismen entworfen, alternative Ökologien erprobt und die existentielle Zirkulation von Kräften als mehr-als-menschliches Wechselspiel gestaltet wurde.