Ankündigung: 05./06.11.2026 Workshop »Theorie und Kraft der Suggestion: Eine Verhältnisbestimmung«
19. August 2026
Neuere Arbeiten zur Geschichte und zum Stil von Theorie haben das traditionelle Bild distanzierter Beobachtung grundlegend korrigiert. Dabei rücken andere Dimensionen von Theoriebildung in den Blick: ihre Situiertheit, ihre Einbindung in Medienökologien und Praktiken sowie ihre affektive Wirksamkeit. Besonders deutlich zeigt sich das in jüngeren Theorieentwicklungen. Arbeiten aus den Posthumanities, dem New Materialism oder der Akteur-Netzwerk-Theorie verabschieden das Phantasma distanzierter Beobachtung samt der dadurch verbürgten ›Objektivität‹. Sie entwerfen stattdessen ein anderes Verhältnis von Theorie und Gegenstand; und damit einher geht auch ein anderer Stil und ›Sound‹: Affektive Begrifflichkeiten werden nicht vermieden, sondern emphatisch gesucht; die jeweiligen Theoriesprachen zeichnen sich durch ein hohes Maß an Metaphorizität, poetischer Formgebung und das Erzählen subjektiver Erlebnisse aus. Doch gerade der sprach- und anthropozentrismuskritische Impetus vieler dieser Ansätze scheint ein Grund dafür zu sein, dass die Frage nach den Wirk- und Überzeugungskräften der eigenen Schreibweisen in den Hintergrund tritt.
Angesichts dieser rezenten Emergenz von Theorieangeboten, die zu alternativen Schreib- und Wahrnehmungsformen anleiten, die Effekte ihrer eigenen Darstellungsweisen indes nicht noch einmal kritisch befragen, lässt sich die alte Frage nach der Wirkmacht von Theorie neu stellen: als Frage nach dem Verhältnis von Theorie und Suggestion.
Der Lektüreworkshop geht dieser Frage nach, indem er danach fragt, welche Verfahren und Praktiken die Wirksamkeit von Theoriebildung koordinieren und inwiefern Suggestion weniger als ein Sonderfall unlauterer Beeinflussung denn als grundlegender Modus von Theoriebildung verstanden werden kann. Dabei geraten sowohl genuine Theorien der Suggestion als auch die Suggestivität von Theorie selbst in den Blick – von ›heißen‹ Theorieatmosphären, die sich bewusst suggestiver Rhetorik bedienen, bis zu ›kalten‹ Stilen, deren Überzeugungskraft gerade in einer Sprache der Neutralität und Unterkühlung liegt.
Workshop »Theorie und Kraft der Suggestion: Eine Verhältnisbestimmung«
Organisation: Charlotte Coch, Julia Soytek
Veranstaltungsdatum: 5./6. November 2026
Veranstaltungsort: Kolleg, Gorch-Fock-Wall 3, 20354 Hamburg

