Caroline Stobbe, M.A.

Foto: Katja Klein
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
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Vita
Caroline Stobbe studierte Grund-, Real- und Hauptschullehramt an der Leuphana Universität Lüneburg und schloss das Studium 2018 mit dem Bachelor of Arts ab. Seit dem Wintersemester 2018/19, studierte sie Kunstgeschichte an der Universität Hamburg, wobei sie als studentische Hilfskraft in der Bildung und Vermittlung der Hamburger Kunsthalle, am Lehrstuhl von Prof. Dr. Margit Kern sowie an der DFG-Kolleg-Forschungsgruppe Imaginarien der Kraft gearbeitet hat. Von 2019 bis 2023 war sie außerdem studentisches Vorstandsmitglied der Geschwister Dr. Meyer Stiftung. Caroline Stobbe schloss den Bachelor of Arts mit einer Arbeit zu Tizians Dogenporträt von Andrea Gritti ab (ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Freunde und Förderer des kunstgeschichtlichen Seminars). Während des anschließenden Masterstudiums an der Universität Hamburg beschäftigte sie sich mit frühneuzeitlichen Bildpolitiken, Herrschaftsikonographien sowie kulturellen Transferprozessen im Mittelmeerraum. Ein Vortrag am Deutschen Studienzentrum in Venedig zum Thema antemurale-Konzeptionen in Bild und Politik Venedigs im 16. und 17. Jahrhundert im Jahr 2023 mündete schließlich in der Masterarbeit zum Thema der Kräfte und Mechaniken in den Allegorien zur Seeschlacht von Lepanto (1571) von Martino Rota. Caroline Stobbe schloss ihr Masterstudium im Januar 2026 ab und arbeitet seit Februar 2026 als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der DFG-Kolleg-Forschungsgruppe Imaginarien der Kraft.
Publikationen
2026
„A European Bulwark? The Myth of antemurale in 16th and 17th Century Venetian Art“, in: Studiolo #21 [Frühjahr 2026]
2022
„Die TO-Karte des Isidor von Sevilla“, in: Das Ganze der Natur. Kräfte, Ordnungen, Grenzen, Ausstellungsbroschüre zur gleichnamigen Ausstellung im Museum der Natur Hamburg des Leibnitz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (30.11.2022–27.08.2023), S. 37–40. [unveröff.]
„Olaus Magnus: Carta Marina“, in: Das Ganze der Natur. Kräfte, Ordnungen, Grenzen, Ausstellungsbroschüre zur gleichnamigen Ausstellung im Museum der Natur Hamburg des Leibnitz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (30.11.2022–27.08.2023), S. 46–51. [unveröff.]
Vorträge
- „Ziehen, Hebeln, Drehen: Kräfte und Mechaniken in Martino Rotas Allegorien zur Seeschlacht von Lepanto (1571)“, Early-Career-Conference Violence, Chaos, Destruction? Depictions of War in the Early Modern Period, Warburg Haus Hamburg, 12.12.2025.
- „Von Bellini zu Tizian: Zur Neuinterpretation des venezianischen Dogenporträts im 16. Jahrhundert“, Universität Hamburg, 27.10.2025.
- „antemurale-Konzeptionen in Bild und Politik in Venedig im 16. und 17. Jahrhundert“, Studienkurs Mediterrane Kriegskulturen der Vormoderne, Deutschen Studienzentrum Venedig (DSZV), 07.10.2023.
- „Das venezianische Dogenporträt im Wandel: „Andrea Gritti“ von Tizian (1546–1550)“, Förderpreisverleihung, Warburg Haus Hamburg, 01.12.2022.
Forschungsprojekt
Kräfte und Mechaniken in der politischen Allegorie der Frühen Neuzeit
Maschinen und Mechaniken waren in der europäischen Frühen Neuzeit allgegenwärtige Phänomene und wurden vielfach auch künstlerisch verarbeitet. Eine bloße Beschäftigung mit ihrer Darstellung als Zeugnisse technologischer Entwicklung der Zeit würde jedoch zu kurz greifen. Ganz im Gegenteil, übernehmen Technikdarstellungen eine Vielzahl an Funktionen und wurden mit vielfältigen Bedeutungsebenen ausgestattet, die über eine bloße Werkstattzeichnung hinausgehen.
Auf einer didaktischen Ebene konnten sie dazu dienen, abstrakte Konzepte und heilsgeschichtliche Prozesse zu visualisieren. Phänomene wie die mystische Mühle oder Kelter vermittelten eine mechanisch-maschinenhafte Logik der Erlösung; die Darstellung mechanischer Alltagsmaschinen machte diese schwer nachvollziehbaren Transsubstantiationsvorgänge greifbarer. Zugleich eröffneten sie Künstler:innen die Möglichkeit, (mechanische) Bewegungsabläufe auf einem Blatt oder einem Altarbild sichtbar zu machen, um Prozesse nicht nur zu visualisieren, sondern auch narrativ aufzuladen. Zeichnungen aus dem Nachlass Leonardos zeigen, dass es dem Künstler nicht um die bloße Darstellung von maschinellen Bauteilen ging, sondern dass den gezeichneten Objekten auch ein klares narratives (Erklärungs-)Potenzial inhärent war. Neben dieser vermittelnden Funktion war fantastischen Maschinendarstellungen auch ein unterhaltendes Moment eigen, z.B. im Rahmen eines frühneuzeitlichen theatrum machinarum. Das Rätseln über die Konstruktionsweise und das Staunen über den Erfindungsreichtum involvierte die Betrachtenden. Die dargestellten Mechaniken wurden zu ästhetischen Entitäten, zu kulturellen Sinnbildern, deren Bedeutungen sich im Zusammenspiel von Form, Funktion und Fiktion erschlossen. Sie waren interaktive Denkmodelle, bei der sich das Publikum an der Bildbetrachtung aktiv beteiligen musste, indem es die Mechanik in Bewegung versetzte und dadurch die Bildaussage erst ‚produzierte‘. Schließlich kam Maschinendarstellungen in der Frühen Neuzeit auch eine vermehrt symbolische Bedeutung zu. In Emblemen wurden sie zum Sinnbild für Tugenden wie Verlässlichkeit, Standhaftigkeit, Intelligenz oder Staatskunst – ja, sie wurden (zum Beispiel in Bezug auf das Phänomen des drechselnden Herrschers) gar zum Mikrokosmos einer gesellschaftlichen Ordnung.
Das Forschungsprojekt möchte diese vielfältigen Bedeutungsebenen von künstlerisch dargestellten Kräften und Mechaniken nun im Hinblick auf ihr erklärendes Potenzial spezifisch in politischen Allegorien untersuchen. Im Anschluss an Martino Rotas Allegorien zur Seeschlacht von Lepanto (1571), in denen mechanische Konstruktionen und Kraftverläufe einen immanenten Teil der politischen Aussage tragen, soll ein Korpus an mechanisierten politischen Allegorien im europäischen Raum erschlossen werden. Diese Drucke inszenieren das historische Ereignis als Teil eines unvermeidlichen, quasi-physikalischen Ursache-Wirkungs-Prinzips und bilden daher den idealen Ausgangspunkt zur Beschäftigung mit dieser Thematik. Für das 16. und 17. Jahrhundert – einer Zeit, in der Wissenschaft, Technik und Kunst kaum voneinander zu trennen sind – wird vor allem der Frage nachgegangen, was vermeintlich technische Darstellungen (und die mit ihnen vermittelte visuelle Scheinobjektivität) im Rahmen einer fortlaufenden politischen Mythenbildung leisten können.