Antje Schmidt, M.Ed.

Vita
Antje Schmidt war von 2023 bis 2025 Postdoktorandin im ERC-geförderten Projekt Poetry in the Digital Age an der Universität Hamburg mit einem Forschungsvorhaben zu Ökologie-Technik-Relationen in multimodaler Lyrik des 21. Jahrhunderts. Im Frühjahr 2024 war sie auf Einladung von Prof. Jessica Pressman als Visiting Researcher am Department of English and Comparative Literature und dem Digital Humanities Center der San Diego State University zu Gast. Von 2019 bis 2022 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Thyssen-geförderten Forschungsprojekt „Vanitas in den Künsten der Gegenwart“. 2023 wurde sie bei Prof. Dr. Claudia Benthien mit Auszeichnung zum Thema Vanitas in der deutschsprachigen Gegenwartslyrik promoviert.
Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der deutschsprachigen Literatur des 17. sowie des 19. bis 21. Jahrhunderts, insbesondere der Gegenwartslyrik, sowie in den Forschungsfeldern Literatur und Ökologie, Literatur und Postdigitalität, Theorien des kritischen Posthumanismus, Ecocriticism sowie Feminist und Gender Studies. Ihr Habilitationsvorhaben widmet sich literarischen Konstruktionen des Erdbodens in der Literatur des langen 19. Jahrhunderts und verbindet hierfür literaturwissenschaftliche mit ökokritischen, feministischen und postkolonialen Ansätzen.
Publikationen (Auswahl)
- „‚ich wollte, der Rasen wüchse so über mich‘. Melancholische Böden in Büchners Leonce und Lena“. Büchners Elemente. Hrsg. von Roland Borgards, Esther Köhring und Oliver Völker. Georg Büchner Jahrbuch 18 (2026) [in Vorbereitung].
- Posthumane Verflechtungen. Lyrik im Technozän. Hrsg. von Antje Schmidt. Unter Mitarbeit von Anna Hofman. Berlin: De Gruyter, 2026. (=Poetry in the Digital Age) [im Druck].
- Vanitas und Gesellschaft. Hrsg. von Claudia Benthien, Antje Schmidt und Christian Wobbeler. Berlin: De Gruyter, 2021. https://doi.org/10.1515/9783110716016.
- „Seekabel und Sabotage. Carla Cerdas posthumanistische Infrastrukturpoetik“. Kulturwissenschaftliche Zeitschrift 4 (2025): S. 41–68. https://doi.org/10.28937/9783787351442_2.
- „Audiovisual Poetry“. Mit Anna Hofman. Poetry in the Digital Age. An Interdisciplinary Handbook. Hrsg. von Claudia Benthien, Vadim Keylin und Henrik Wehmeier. Berlin: De Gruyter, 2025, S. 203–213. https://doi.org/10.1515/9783111704548-018.
Forschungsvorhaben: Ökofeministische Perspektiven auf Erdkräfte in der Literatur des langen 19. Jahrhunderts
Das Forschungsvorhaben widmet sich literarischen Imaginarien der Erde als mit Kräften begabt. Es setzt seinen Schwerpunkt in der Literatur des ‚langen‘ 19. Jahrhunderts, in dem sich für die Naturkulturgeschichte der westlichen Moderne bedeutende umwelt-, sozial- technik- und ökonomiehistorische Umbrüche vollziehen: insbesondere das Aufkommen des modernen Industriekapitalismus und wirkmächtiger Emanzipationsbewegungen.
Im Fokus steht der literarisch inszenierte metabolische Austausch der Erde mit anderen Kräften, etwa Körpern, Werkzeugen, Nutztieren, in verkörperten Vollzügen im Berg-, Deich-, Garten- und Ackerbau. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei gegenderten Konstruktionen von Erdkräften und damit verbundenen Zuschreibungen ihrer Wirkmacht, Potenzialität und Aktivität sowie ihrer Wirkungslosigkeit und Passivität. Das Projekt fragt danach, in welchen literarischen Darstellungen der Erde Wirkmacht zu- und abgesprochen und wie diese Konstruktionslogik mit Tendenzen ihrer Effemination interferiert. Wird der metabolische Austausch mit der Erde als krisenhaft und gefährlich oder als nährend und symbiotisch narrativiert? Welche (literarischen) Traditionen, Genres und Verfahren sind an spezifische Darstellungslogiken geknüpft?
Methodisch verbindet das Forschungsprojekt materiell-ökokritische Ansätze mit solchen der Ecofeminist Studies und des Elemental Ecocriticism. Es hat zum Ziel, rezente anthropozäne Thesen der (krisenhaften) Agentialität von Erdböden zu historisieren und um eine gendertheoretische Perspektive zu erweitern.