Assoc. Prof. Dr. Yasuhiro Sakamoto

Vita
Yasuhiro Sakamoto ist Bildwissenschaftler und Informatiker. Derzeit ist er als Projekt-Associate-Professor am Global Research Institute der Keio University in Tokio tätig. Seine Forschung bewegt sich an der Schnittstelle von Bildwissenschaft, Gestaltpsychologie, Epistemologie und empirischer Ästhetik. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung einer neuronalen Bildwissenschaft, die bildtheoretische Fragestellungen mit psychophysischen und neurowissenschaftlichen Methoden verbindet.
Sakamoto studierte Informatik und Mediengestaltung an der Keio University sowie an der Freien Universität Berlin. 2010 promovierte er an der Keio University. Anschließend forschte er unter anderem am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik und am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin bei Horst Bredekamp sowie am University College London und am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik. Seine Forschungsaufenthalte wurden durch den DAAD, die Alexander von Humboldt-Stiftung, die DFG, die Max-Planck-Gesellschaft, die Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) sowie die Senate von Berlin gefördert.
Von 2019 bis 2022 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik bei Winfried Menninghaus und David Poeppel. Von 2022 bis 2025 war er Specially Appointed Associate Professor an der Universität Shinshu in Nagano. Im Zentrum seiner aktuellen Forschung stehen die Eigenlogik und Wirksamkeit von Bildern sowie die Frage, wie Bildwahrnehmung und ästhetische Wertung bereits in frühen Wahrnehmungsprozessen entstehen.
Publikationen (Auswahl)
- Sakamoto, Y., (im Druck). Zur Philosophie des Zitterns: Eine Analyse der tiefen Natur von Schriften und Bildern. In: W. Schäffner, S. Marienberg, T. Oehl und H. Bredekamp (Hg.). Philosophie der aktiven Materie. Berlin/Boston: De Gruyter, S. 97–111.
- Sakamoto, Y., (2022). Photo Paintings to Shinkeikei Imēji Gaku [Gerhart Richter's Photo Paintings and Neuronale Bildwissenschaften]. Yuriika, Nr. 790, Bd. 54–7, S. 229–239.
- Sakamoto, Y., Jäger, F. und Tanaka, J. (Hg.) (2020). Bilder als Denkformen: Bildwissenschaftliche Dialoge zwischen Japan und Deutschland. Berlin: De Gruyter.
- Sakamoto, Y. (2020). Was sind Neuronale Geisteswissenschaften? Eine Sondierung. In: Y. Sakamoto, F. Jäger und J. Tanaka (Hg.). Bilder als Denkformen. Berlin/Boston: De Gruyter, S. 177–194.
- Sakamoto, Y., Tanaka, J. und Takemine, Y. (Hg.) (2019). Image Studies Today: From Aby Warburg's Mnemosyne Atlas to Neurological Bildwissenschaft. Tokyo: Tokyo University Press.
Forschungsvorhaben: Die Triplehelix der Kraft in Bildern
Kraft wurde in verschiedenen Fachdisziplinen unterschiedlich erörtert. Die in Bildern erscheinenden Kräfte überschneiden sich in einer spiralförmigen Interaktion zwischen dem Physischen, dem Imaginären und dem Wahrgenommenen. Das Projekt untersucht daher, wie die von der latenten Bewegung in Bildern ausgehenden Kräfte qualitativ und quantitativ erfasst und überbegrifflich zwischen Naturwelt, Wahrnehmungswelt und Bildwelten vergleichbar und begreifbar gemacht werden können.
Freedbergs Experimente (Umiltà et al., 2012) zeigen, dass latente Bewegung in Bildern nicht nur rhetorisch oder metaphorisch als Bewegung erkannt wird, sondern sich auch in der Aktivität des motorischen Kortex verankert. Sakamotos EEG-Studien zur imaginierten Bewegung (Sakamoto et al., 2016; in prep.) legen zudem nahe, dass die Intensität imaginierter Bewegung unter bestimmten Bedingungen anhand von Betawellen quantitativ messbar ist und mit der tatsächlichen Bewegung korrespondiert.
Auf dieser Grundlage fokussiert sich das Projekt auf die Konstruktion eines metafunktionalen Begriffsmodells, das eine integrierte Betrachtung der Kraft in Bildern ermöglicht. Dabei sind zwei Aspekte zentral: Erstens stellt latente Bewegung Sprengkraft, Antrieb, Beschleunigung und Impetus der Bilder dar, wobei eine Diskrepanz zwischen Mechanik und Ästhetik besteht. Zweitens spielen kulturelle Faktoren für den Funktionsbegriff der Kraft eine wesentliche Rolle. Die dreifache Natur der Kraft wird dabei jenseits der Oppositionen von Natur und Kunst sowie Naturwissenschaft und Philosophie erkenntnistheoretisch erschlossen.